Call Center Personalbedarf mit Erlang C berechnen

Wie viele Agents müssen gleichzeitig verfügbar sein, damit ein angestrebter Service Level erreichbar ist? Der Rechner verbindet Anrufvolumen, Bearbeitungszeit, Zielzeit und nicht verfügbare Zeiten zu einer ersten Kapazitätsschätzung.

Kontaktvolumen und Bearbeitungszeit
Ziel und geplante Verfügbarkeit

Rechnerisches Ergebnis

Erlang C für das eingegebene Intervall. Schichtabdeckung und Skill-Routing sind noch nicht enthalten.

14gleichzeitig verfügbare Agents
20einzuplanende Agents inklusive nicht verfügbarer Zeit
Verkehrsangebot
10,0 Erlang
Erreichter Service Level
88,8 %
Durchschnittliche Wartezeit
7,8 Sekunden
Rechnerische Auslastung
71,4 %
Wahrscheinlichkeit zu warten
17,4 %

Vergleich der Besetzung

SzenarioAgentsService LevelWartezeitAuslastung
Ein Agent weniger1379,6 %17,1 s76,9 %
Berechneter Bedarf1488,8 %7,8 s71,4 %
Ein Agent mehr1594,1 %3,7 s66,7 %

So funktioniert die Personalbedarfsrechnung

Erlang C ist ein Warteschlangenmodell für eingehende Kontakte. Es berechnet die Wahrscheinlichkeit, dass ein Anruf warten muss, wenn alle Agents belegt sind. Daraus lassen sich der erwartete Service Level und die durchschnittliche Wartezeit ableiten.

1. Verkehrsangebot in Erlang

Zuerst wird die im Intervall anfallende Arbeitsmenge ermittelt. Ein Erlang entspricht einer durchgehend belegten Arbeitskraft. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit wird häufig mit AHT abgekürzt.

Verkehrsangebot = Anrufe × AHT in Sekunden / Intervall in Sekunden

100 Anrufe in 30 Minuten bei 180 Sekunden AHT ergeben 10 Erlang. Das bedeutet nicht, dass zehn Agents genügen: Bei exakt zehn gleichzeitig verfügbaren Agents gäbe es keinerlei Reserve für zufällige Schwankungen im Eingang.

2. Gleichzeitigen Bedarf bestimmen

Der Rechner erhöht die Zahl verfügbarer Agents so lange, bis der gewünschte Service Level und die optionale Auslastungsgrenze erfüllt sind. Beim voreingestellten Beispiel 80/20 werden 14 gleichzeitig verfügbare Agents benötigt. Der rechnerische Service Level liegt dann bei rund 88,8 Prozent.

3. Nicht verfügbare Zeiten berücksichtigen

Erst nach der Erlang-C-Rechnung wird aus dem gleichzeitigen Bedarf die einzuplanende Besetzung. Der Anteil für Pausen, Urlaub, Krankheit, Schulungen oder Meetings wird in der Personalplanung oft Shrinkage genannt. Bei 30 Prozent werden aus 14 verfügbaren Agents 20 einzuplanende Agents.

Einzuplanende Agents = gleichzeitig benötigte Agents / (1 − Shrinkage)

Dieser Wert ist noch kein fertiger Schichtplan. Er beschreibt, wie viele Personen für das einzelne Intervall eingeplant sein müssen, wenn der angesetzte Anteil nicht verfügbarer Zeit zutrifft. Wie sich die benötigte Kapazität intern oder mit einem Dienstleister abdecken lässt, zeigt der Vergleich Call Center: Inhouse oder Outsourcing?

Welche Daten Sie verwenden sollten

Erwartete Anrufe im Intervall
Alle Anrufe, die im betrachteten Zeitraum voraussichtlich in die Warteschlange gelangen. Prognosewerte sollten möglichst in kurzen Intervallen vorliegen, damit Spitzen nicht im Tagesdurchschnitt verschwinden.
Average Handling Time (AHT)
Gesprächszeit plus Haltezeit und Nachbearbeitung. Verwenden Sie denselben fachlichen Umfang wie in Ihrer Volumenprognose.
Service Level und Zielzeit
Ein Ziel besteht immer aus Anteil und Zeit, zum Beispiel 80 Prozent innerhalb von 20 Sekunden. Der operative Messpunkt muss dazu eindeutig festgelegt sein.
Nicht verfügbare Zeit (Shrinkage)
Planbare und ungeplante Zeit außerhalb der Queue. Nutzen Sie nach Möglichkeit eigene Werte nach Team, Saison und Zeitraum.

Grenzen von Erlang C

Das Modell ist eine Planungshilfe, keine Prognosegarantie. Es unterstellt zufällige, voneinander unabhängige Ankünfte, ähnliche Bearbeitungszeiten, homogene Agents und eine stationäre Nachfrage im betrachteten Intervall. Außerdem warten alle Anrufenden, bis ein Agent frei wird.

  • Abbrüche und Rückrufe werden nicht modelliert.
  • Skill-based Routing und unterschiedliche Qualifikationen fehlen.
  • Überläufe zwischen Intervallen werden nicht berücksichtigt.
  • Schichtlängen und Pausenlagen sind nicht Teil der Berechnung.
  • Extreme Ereignisse und Prognosefehler bleiben außerhalb des Modells.

Vergleichen Sie das Ergebnis deshalb mit historischen Queue-Daten und simulieren Sie mehrere Szenarien für Anrufvolumen und Bearbeitungszeit. Eine Definition der dazugehörigen Kennzahlen finden Sie im Leitfaden zu Call Center KPIs und Formeln.

Häufige Fragen zur Erlang-C-Berechnung

Was bedeutet 80/20 beim Service Level?

80/20 bedeutet, dass 80 Prozent der berücksichtigten Anrufe innerhalb von 20 Sekunden angenommen werden sollen. Welche Kontakte in den Nenner eingehen, muss für das operative Reporting gesondert definiert werden.

Was ist Shrinkage im Call Center?

Shrinkage bezeichnet den Anteil der bezahlten Zeit, in dem Mitarbeitende nicht für die Queue verfügbar sind. Dazu können Pausen, Urlaub, Krankheit, Schulungen, Meetings und andere Aufgaben gehören.

Warum muss die Zahl der Agents größer als das Verkehrsangebot sein?

Ist das Verkehrsangebot mindestens so groß wie die Zahl der gleichzeitig verfügbaren Agents, kommen langfristig mehr Arbeitssekunden an, als bearbeitet werden können. Die Warteschlange ist im Erlang-C-Modell dann nicht stabil.

Kann ich mit Erlang C einen ganzen Monat planen?

Erlang C wird auf einzelne Intervalle angewendet, typischerweise 15, 30 oder 60 Minuten. Für einen Dienstplan müssen die Ergebnisse aller Intervalle anschließend mit Öffnungszeiten, Schichten, Qualifikationen und arbeitsrechtlichen Regeln verbunden werden.

Berücksichtigt der Rechner abgebrochene Anrufe?

Nein. Das klassische Erlang-C-Modell unterstellt, dass Anrufende warten, bis ein Agent verfügbar ist. Bei nennenswerten Abbruchraten sollte die Planung mit realen Queue-Daten geprüft oder um ein passenderes Modell ergänzt werden.

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